Freitag, 15.10.2010 ::: 13:30 - 14:30

Indianerfotografien vom Amazonas in der Wissenschaft. Bilder, Akteure, Praktiken - Frank Stephan Kohl

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In meinem Vortrag soll der Praxis von ethnographierenden Berufsfotografen und ihrer Wahrnehmung durch zeitgenössische Wissenschaftler nachgegangen werden. Als Beispiel für diesen Vortrag ist der in den 1860er Jahren in Südamerika tätige Fotograf Albert Frisch und sein Arbeitgeber, der in Rio de Janeiro ansässige Schweizer Kunsthändler Georg Leuzinger gewählt worden. Die von ihnen produzierten Bilder fanden bis ins 20. Jahrhundert in der deutschsprachigen Völkerkunde grosse Verbreitung.
Der in den 1860er Jahren in Südamerika als Berufsfotograf tätige Albert Frisch hatte 1868 auf dem Oberen Amazonas die erste erfolgreiche Expedition mit dem technischen Bildmedium durchgeführt. Unter den von ihm in der tropischen Region hergestellten Fotografien befanden sich zahlreiche ethnographische und anthropologische Aufnahmen, die ab den 1870er Jahren zum Bilderfundus der deutschsprachigen Völkerkunde gehörten. Seine Indianeraufnahmen waren in dem von Carl Dammann im Auftrag der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte herausgegebenen "Anthropologisch-Ethnologischen Album" abgebildet, das für vergleichende Studien hergestellt worden war. Ebenso finden sich Abzüge seiner Bilder in Forschernachlässen und in Archiven völkerkundlicher Museen.
Zunächst werden die professionellen Verbindungen (Bildererwerb und andere Formen der Kooperation) zwischen Berufsfotografen und Forschungsreisenden in Brasilien aufgezeigt. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Interessenlagen von Berufsfotografen und Wissenschaftlern wird anschließend die Nutzung der Bilder von Berufsfotografen in der wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationspraxis am Ende des 19. Jahrhunderts untersucht.

 
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Studium der Europäischen Ethnologie/Kulturwissenschaft und Sozialgeschichte in Marburg und Berlin. Anschließend neunjähriger Aufenthalt in Brasilien mit Tätigkeit als unabhängiger Fotohistoriker. Arbeitsschwerpunkte: Aufarbeitung fotografischer Nachlässe, verschiedene Forschungsprojekte und Publikationen zu in Brasilien tätigen europäischen Fotografen. Weitere Interessengebiete: Visuelle Anthropologie, Visual History, brasilianische Fotografiegeschichte, Tropenfotografie. Seit 2007 in Amsterdam lebend und mit der Abfassung einer Dissertation über die erste fotografische Expedition auf dem Amazonas im Jahre 1868 beschäftigt

 
 

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