Sonnabend, 16.10.2010 ::: 12:00 - 13:00

Der zeitlose Rahmen: Visuelle Dokumente der Kogi/Kagaba (Sierra Nevada de Santa Marta, Colombia) - Manuela Fischer

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Am Beispiel der Kágaba, einer indigenen Gruppe im Norden Kolumbiens, soll gezeigt werden, dass unabhängig von Prozessen der Globalisierung und intensivem Austausch, Orte dem Wandel scheinbar widerstehen und zeitlos erscheinen. Sie stellen einen Widerspruch zu postkolonialen Deutungen der Sozialwissenschaften dar. Die Bilder der letzten 200 Jahre aus dieser Region sind Dokumente der Zeitlosigkeit.
Über die Sierra Nevada de Santa Marta an der Karibikküste Kolumbiens berichteten schon die ersten Eroberer; visuelle Dokumente, in Form von Stichen, sind erst seit dem 18. Jahrhundert erhalten. Eine der ersten Fotografien stammen von Konrad Theodor Preuss, Amerikanist und Kustos am damals Königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin. 1914 reiste er in die Sierra Nevada de Santa Marta (SNSM), um die religiösen Vorstellungen der Kágaba zu erforschen. Das Interesse an diesem Gebirge und an der indigenen Bevölkerung liess von da an nicht mehr nach. Von einigen, die in die Sierra Nevada gereist sind (Ethnologen, Siedler, Touristen), sind Fotografien in Archiven erhalten geblieben.
Fast alle Fotografien sind in Situationen entstanden, die den Anschein eines Machtgefälle zwischen "Subjekten" und "Objekten" haben. Die Geschichte der territorialen Bedrohungen ist seit der "Entdeckung" der heute kolumbianischen Küste dokumentiert. Die spanisch-indianische Auseinandersetzung im 16. Jahrhundert endete mit Vernichtung und Zerstörung der Siedlungen an der Küste. An der unzugänglicheren Nordflanke des Gebirges gelang es den indigenen Gruppen sich zu reorganisieren. Der Ethnozentrismus der Kágaba geht von einer religiösen Überlegenheit und der damit einhergehenden Verantwortung gegenüber den "jüngeren Brüdern", d.h. dem Rest der Menschheit, aus.
Die Idee der Überlegenheit der eigenen Weltanschauung lässt Fragen nach dem Verhältnis von Wissenschaftler und Forschungs"objekt" und der Hegemonie von Kultur und Wissenschaft gewissermassen ins Leere laufen.

 
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Kurzvita: Manuela Fischer. Studium der Kunstgeschichte und Altamerikanistik in Montpellier und Berlin. Promotion mit dem Thema: Ordnungsprinzipien in den Mythen der Kágaba (Sierra Nevada de Santa Marta, Colombia), Freie Universität Berlin 1989. Seit 1991 am Ethnologischen Museum Berlin im Fachreferat Amerikanische Archäologie tätig. Publikationen zu Forschungs- und Sammlungsgeschichte und Ikonographie. Regionale Interessen: Südamerika

 

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