Freitag, 15.10.2010 ::: 15:00 - 16:00

Bilder zweiter Ordnung: Untersuchung digitaler fotografischer Porträtpraxen mittels visueller Medien - Thomas Abel

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Mit der Einführung und Etablierung digitaler fotografischer Techniken und Apparate hat sich eine digitale fotografische Portraitkultur entwickelt. Um diese adäquat beschreiben und analysieren zu können, bedarf es weder nur der alleinigen Untersuchung digitaler Portraitfotografien als mediale Repräsentationen digitaler fotografischer Portraitpraxis noch einer ausschließlichen Betrachtung digitaler fotografischer Portraitpraktiken. Vielmehr scheint es sinnvoll, Handlungs- und Repräsentationsebene als zwei sich bedingende Komponenten digitaler fotografischer Portraitkultur zusammen zu denken und in ein fruchtbares Verhältnis zu setzen – digitale fotografische Praxis als notwendige Voraussetzungen digitaler fotografischer Portraits und digitale fotografische Portraits als Ergebnisse und Manifestationen kultureller Praktiken des digitalen Fotografierens in soziokulturellen Kontexten. So ist die Herstellung digitaler fotografischer Portraits im Bourdieuschen Sinne zwar auch an soziale Gebrauchsweisen gebunden. Letztlich werden digitale fotografische Bilder unter einer praxisorientierten Forschungsperspektive jedoch immer erst durch spezifisches, für die beteiligten Akteure sinnvolles Interagieren unter Berücksichtigung bildinterner und bildexterner Kontexte aktiv und situationsabhängig generiert. Im Rahmen des Vortrags sollen Ausschnitte aus meinem derzeit laufenden Dissertationsprojekt zum Thema „Neue kulturelle Praktiken der digitalen Portraitfotografie“ vorgestellt werden. Dabei handelt es sich um Videosequenzen von Herstellungsprozessen digitaler fotografischer Portraits und den dabei entstandenen digitalen Portraitfotografien. Es soll gezeigt werden, dass sich mittels (audio-)visueller Aufzeichnungsverfahren (Fotound Videotechnik) nicht nur Handlungsweisen Interagierender in Interaktionsprozessen präzise beobachten und analysieren lassen. Vielmehr können im Abgleich der Videoaufzeichnungen und der digitalen Portraitfotografien Fragen nach habitualisierten und sedimentierten Wissensbeständen in Bezug auf kulturelle Praktiken des fotografischen Portraitierens in einer digitalen fotografischen Portraitkultur bearbeitet werden. Als Beispiel einer kultursoziologisch orientieren, visuell geleiteten und gestützten wissenschaftlich-methodischen Perspektive stellt der Beitrag den Umgang mit bildlichen Quellen und deren Reflexion in den Mittelpunkt der Forschungspraxis. Das Methodenrepertoire bildwissenschaftlicher Forschung wird dadurch erweitert und zu einer offenen Diskussion über Gemeinsamkeiten und Differenzen bildlicher Forschungspraxis in unterschiedlichen bildwissenschaftlichen Disziplinen eingeladen.

 
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Studium der Gestaltung mit Fachrichtung Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld und Interdisziplinäre Medienwissenschaften an der Universität Bielefeld. Seit 2008 Stipendiat an der »Bielefeld Graduate School in History and Sociology« (BGHS) der Universität Bielefeld, einer im Rahmen der Exzellenzinitiative durch das BMBF und die DFG geförderten Graduiertenschule. Promotion zur Herstellungspraxis und Bildkultur digitaler fotografischer Bildportraits. Arbeits- und Interessensgebiete: Bildwissenschaft, Visuelle Soziologie, Visualität und Bildlichkeit, Fotopraxis und Fotokultur. Kooperierendes Mitglied des Forschungsschwerpunkts (FSP) Fotografie und Medien der Fachhochschule Bielefeld und Mitglied der Studiengruppe Bildlichkeit an der Universität Bielefeld.

 
 

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